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Kapillaroskopie:
Publish Date 2010-12-30
Inhalte:

Bei der Kapillaroskopie handelt es sich um ein lichtmikroskopisches Verfahren, bei welchem in der Routineanwendung die Kapillaren des Nagelfalzes im Auflicht in einem Vergrößerungsbereich bis maximal etwa 100-fach unter in vivo-Bedingungen untersucht werden. Neben der Morphologie, d. h. Gestalt, Anzahl und Anordnung der Kapillaren kann auch die Mikrozirkulation “life” beobachtet werden.

Die Auflichtuntersuchung der Nagelfalz-Kapillaren ermöglicht eine Beurteilung der Integrität der Endstrombahn bei verschiedenen internistischen Erkrankungen. Ein besonderer Stellenwert kommt der Kapillaroskopie bei der Früherkennung von Kollagenosen zu. Hier können Veränderungen der Kapillar-Morphologie der klinischen Manifestation der entsprechenden Erkrankung ggf. mehrere Jahre vorausgehen.

In 1982 habe ich in Zusammenarbeit mit der Ernst Leitz KG, Köln, für die angiologische Abteilung der Medizinischen Universitäts-Poliklinik Bonn (Leiter: Prof. Dr. med. Gustav Trübestein) unter Verwendung kommerzieller lichtmikroskopischer Baukomponenten einen kapillarmikroskopischen Untersuchungsplatz konzipiert. Zum Einsatz kamen speziell gerechnete lichtmikroskopische Objektive mit verlängertem Arbeitsabstand. Besonderes Augenmerk wurde auf die Beleuchtungstechnik gelegt, um möglichst kontrastreiche mikroskopische Bilder zu erhalten.

Ergänzend wurden Konzepte entwickelt, unter Einsatz stärker vergrößernder Immersions-Objektive aus dem Anwendungsbereich der Auflicht-Fluoreszenzmikroskopie einzelne Kapillaren für eine verbesserte Analyse der Mikrozirkulation im Vergrößerungsbereich von etwa 400-fach darzustellen. Hierzu wurde eine modifizierte Auflichtbeleuchtung konzipiert, bei welcher der beleuchtende und abbildende Strahlengang jeweils durch das Immersionsobjektiv geführt wurde. Mittels einer Ringblende wurde realisiert, dass die beleuchtenden Strahlenanteile von schräglateral auf das Objekt treffen, wohingegen die abbildenden Strahlenanteile im zentralen Bereich, d. h. nahe der optischen Achse des Objektivs verlaufen.

In 1997 wurden die früheren Überlegungen zur Kapillarmikroskopie nochmals aufgegriffen, indem eine einfache Methode entwickelt wurde, mit Hilfe fotographischer Lupenobjektive an einem konventionellen Labormikroskop mit mikroskopischem Normgewinde eine Auflicht-Kapillarmikroskopie zu realisieren. Verwendet wurden Lupenobjektive aus der Leica-Photar-Serie, welche über mikroskopische Normgewinde verfügen und in dieser Hinsicht mikroskopischen Objektiven im unteren bis mittleren Vergrößerungsbereich entsprechen, jedoch im Unterschied zu diesen als fotographische Objektive zusätzlich mit einer intergrierten Irisblende zur Abblendung ausgestattet sind. Durch die Möglichkeit der Abblendung konnten im Vergleich zu den früheren Techniken wesentliche Verbesserungen des Kontrastes und der Tiefenschärfe erreicht werden.

Da es sich beim Nagelfalz um eine gewölbte Struktur handelt und auch die dortigen Kapillaren nicht sämtlich in einer definierten Ebene verlaufen, konnte durch die Abblendung des verwendeten Objektivs neben einer Verbesserung der visuellen Befunderhebung auch die Bildaussage im Rahmen der Fotodokumentation deutlich verbessert werden.

Bei dieser technischen Realisation wurde die Auflichtbeleuchtung durch punktuell ausrichtbare Schwanenhals-Lichtleiter sichergestellt (Novoflex Macrolight Plus), welche zur Fotodokumentation mit einem TTL-Elektronenblitz bestückt waren. Auf diese Weise wurde eine erschütterungsfreie Fotodokumentation bei ultrakurzen Belichtungszeiten ermöglicht.

Kapillaroskopische Ansichten normaler Nagelfalzkapillaren,
(Übersicht links, Detail rechts),
Objektiv: Leica Photar 1:2,4 / 12,5 mm, Arbeitsabstand: 8 mm
Okular: Leica Vario-Okular 5,0 - 12,5 x
Labor-Mikroskop: Leitz Dialux
Beleuchtung: Lichtleiter, Novoflex Macrolight Plus mit integriertem
TTL-Elektronenblitz

Bedeutung:

Mit der beschriebenen Verwendung fotographischer Lupenobjektive bietet sich dem ärztlichen Anwender die Möglichkeit, unter Zuhilfenahme eines herkömmlichen Labormikroskops mit überschaubarem Aufwand eine qualitativ gute Kapillaroskopie zur Beurteilung der Kapillarmorphologie zu realisieren. Wenn zur Ausleuchtung Lichtleiter mit adaptiertem Elektronenblitz verwendet werden, erschließt sich auch die Möglichkeit einer qualitativ guten Fotodokumentation ohne Verwacklungs- bzw. Bewegungsunschärfen. Durch die Möglichkeit der Abblendung kann eine wesentliche Steigerung von Tiefenschärfe und Bildkontrast erreicht werden.

Publikation:

Piper, J.:
Klinischer Einsatz fotographischer Lupenobjektive in der Kapillaroskopie
– eine attraktive Alternative für Diagnostik und Fotodokumentation
Vasomed 9, 194 – 197 (1997)

http://www.prof-piper.com/Forschung/Angiologie/Kapillaroskopie/kapillaroskopie_0.html



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